Webkommunikation Aufgabe: Eco's Aussagen aus dem Interview

rainer.kroisamer.uni-linz, 1. Juli 2014, 11:49

 

 

Aussage 1: Praktische und literarische Listen

 

Eco weist auf die Unterscheidung zwischen praktischen und poetischen Listen hin. Praktische Listen beschreiben reale Dinge die endlich sind, beispielsweise ein Telefonbuch oder die Liste der Bücher in einer Bibliothek. Literarische Listen hingegen können sich auch auf Dinge beziehen die nicht real sind. (Q1)

 

Im Gespräch mit Norbert Bischofberger äußert sich Umberto Eco zum Thema Internet wie folgt: 

 

"Was ist nun das Internet: man könnte meinen es sei eine praktische Liste, denn es enthält alle Webseiten zu einem gewissen Thema. Aber es ist auch potentiell unendlich, d.h. wenn jemand jede der Millionen Seiten anklickte, wären die ersten bereits wieder verschwunden und durch andere ersetzt, wenn er am Ende angelangt wäre. Theoretisch kann man also bis in alle Unendlichkeit im Internet surfen." (Q1, von 14:40 bis 15:06)

 

Zusätzlich ist es nicht sicher, dass Webseiten von tatsächlich existenten Dingen berichten. Das Internet ist eine unendliche Liste ohne jedoch die poetische Qualität der literatischen Listen zu erreichen. (Q1)

 

Die Beziehung zur Webkommunikation und zum Internet allgemein sehe ich hier insofern, als dass wir uns als Kommunikatoren einerseits aber auch als Rezipienten andererseits im Web einer Unendlichkeit gegenüber sehen. Einer Unendlichkeit an Information, wobei Information nicht bedeuten muss dass diese auch von Nutzen oder wahr ist. Wir können auf vielen, wenn auch nicht unendlichen, Wegen als Kommunikatoren oder Rezipienten auftreten. Ich meine deswegen endlich, weil nicht alle Kanäle, i.e. Webseiten, als geeignete Informationsplattform dienen und sich Kommunikatoren und Rezipienten darüber einigen müssen wo relevante Informationen geteilt werden. 

 

Ein praktisches Beispiel einer Liste im Internet wäre wohl ein Weblog. Er ist endlich und berichtet (meist) über reale Dinge - Informationen in Form von Texten, Erfahrungsberichte, Bilder, Videos, etc. Vergleiche zum Thema Weblogs Ganglberger und Eibl (Q2), Antunovic (Q3).

 

 

 

Aussage 2: Semiotik und Massenmedien

 

"[...] Die Semiotik befasst sich mit den unendlichen nicht nur verbalen Methoden mit denen sich Menschen über Dinge unterhalten können die nicht hier sind. Sie vermögen sogar zu lügen. Dank der Semiotik können wir nicht nur über reale sondern auch über irreale Dinge reden. [...] Die Semiotik befasst sich auch mit den verschiedenen Arten mit denen wir die Wahrheit angehen oder wie wir lügen." (Q1, von 31:55 bis 32:33)

 

Hier spricht Eco über Semiotik, das Themengebiet auf das auch in der LVA Webkommunikation bezug genommen wurde. Eco bezieht die Semiotik nicht nur auf die Kultur, Politik und Kommunikation sondern sagt, wo andere nur Dinge sehen sieht der Semiotiker den Sinn dahinter. (Q1) 

 

In einem gewissen Sinne sind wir also alle Semiotiker, denn wir beurteilen Menschen nach ihrer Art sich zu kleiden, interpretieren Zeichen, Gesten und Symbole. Nicht nur im Straßenverkehr, auch im Web sind wir mit einer Unmenge an Symbolen, Ikone und Zeichen konfrontiert (vergleiche dazu auch den Beitrag von Michelmayer, Q4).

 

 

 

 

Aussage 3: Diversität der Sprachen

 

"Für den Menschen ist es wichtig eine Sprache zu schaffen die der eigenen Gruppe und Umgebung entspricht." (Q1, 36:50 bis 36:57)

 

Hier ist gut der Zusammenhang zwischen Eco's Aussage und dem Vorlesungsthema bzw. der Aufgabe "Der Code der Jugendlichen" zu erkennen, bei der von den Studierenden meist die Sprache als Haupterkennungsmerkmal des Codes der Jugendlichen herausgearbeitet wurde. So auch in meinem Beitrag

 

Eco behauptet die Sprache ändere sich sobald man nur wenige Kilometer vom eigenen Wohnort entfernt ist. Dem kann ich auch teilweise zustimmen. Nehmen wir Linz als Ausgangspunkt, bereits einige Kilometer weiter nörlich, im Mühlviertel, sind einige Wörter und deren Aussprache, von dem in Linz gesprochenen Dialekt verschieden. Jugendliche entwickeln ihre ganz eigene Sprache und Sprachkultur und passen sich ihrem sozialen Umfeld an.

 

 

 

Aussage 4: Der Begriff des Anderen

 

Diese Aussage Eco's ist nicht direkt auf eine Vorlesung in der LVA umzulegen, ich möchte Sie aber trotzdem aufgreifen weil es für uns in der Webkommunikation von Bedeutung ist. 

 

"Wir definieren uns über das Ausmaß an Kontakt den wir mit anderen haben. [...] Wenn uns auf der Straße niemand anschauen oder ansprechen würde, wenn man uns isolierte, [...] stürben wir womöglich. Das Gegenüber ist also sehr wichtig für uns." (Q1, 52:35 bis 52:55)

 

Eco spricht von der Wichtigkeit des Gegenübers, des biblischen Nächsten. Soziale Netzwerke, Facebook, Chat, Emoticons, Klicks und Likes. Verlagern wir die von Eco als so wichtig empfundenen Kontakte mit dem Gegenüber zu sehr in das Web? Ist der persönliche Kontakt zum Mitmenschen nicht mehr von so großer Bedeutung, zählt nur mehr "online" und nicht mehr "offline"? Oder ist genau das Gegenteil der Fall, verkümmern viele Menschen vor dem Computer, da ihnen die zahlreichen "likes" zwar virtuelle Kontakte bieten, aber der Mensch, ein soziales Tier, den persönlichen Kontakt zum überleben braucht? An dieser Stelle sei noch einmal auf die Aussage Eco's verwiesen:

 

"Das Internet ist wie das Auto, man soll benutzen wann man es braucht" (Q1, 16:35 bis 16:40)

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

 

1. Online: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=nHwjZf_tRCE, abgerufen am 29.6.2014

 

2. Ganglberger und Eibl, Online: https://collabor.idv.edu/WebWiGanglberger/stories/48750/, abgerufen am 30.6.2014

 

3. Antunovic, Online: https://collabor.idv.edu/lernblogantunovic/stories/48755/, abgerufen am 30.6.2014

 

4. Michelmayer, Online: https://collabor.idv.edu/praesentation0204/stories/48155/, abgerufen am 29.6.2014

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