Zetti's Weblog |
Sonntag, 25. Januar 2004
Wissen - Was ist eigentlich Wissen?
johannes.zehetner.linz, 18:29h
1. Historisch Philosophischer Ansatz
Der Wissensbegriff der Stoa Die in der griechischen Philosophie etablierte Unterscheidung zwischen Wissen und Meinung, liefert die Basis für die erkenntnistheoretischen Überlegungen der Stoiker. Der Prozess des Erkenntnisgewinnes beginnt für die Stoiker durch eine „Einwirkung von außen“ also mit der Wahrnehmung eines Objektes. Der Mensch nimmt also über seine Sinnesorgane Objekte der Außenwelt wahr, welche im Beobachter einen Sinneseindruck erzeugen. Aus der Vielzahl von Sinneseindrücken hebt Zenon eine Art besonders hervor, und zwar den so genannten „erfassenden Sinneseindruck“, den er durch zwei Bedingungen charakterisiert: 1. Der Sinneseindruck wird durch etwas verursacht was tatsächlich ist. 2. Er ist entsprechend dem, was tatsächlich ist, eingesiegelt und abgedrückt, d.h. er gibt die Sache so wieder, wie sie tatsächlich ist. Dieser erfassende Sinneseindruck selbst, ist nach stoischer Auffassung noch keine Erkenntnis, er stellt lediglich die Voraussetzung für die Erkenntnis oder das Erfassen dar. Wie stellt sich nun der weitere Weg zur Erkenntnis dar? Zunächst gehen die Stoiker davon aus, dass sich die entstandenen Sinneseindrücke miteinander verbinden, also in einen Kontext gebracht werden und es so zu einer Begriffsbildung kommt. Erst diese Begriffe sind es, auf die der Mensch rationales Denken anwenden kann. Zusätzlich zu den aus den Wahrnehmungen hervorgegangen Begriffen, werden auch Vorstellungen durch die Tätigkeit der Vernunft zu Begriffen umgeformt und können somit zum Gegenstand menschlichen Denkens werden. Der wesentliche Punkt der stoischen Erkenntnistheorie ist nun, dass sowohl die aus den Wahrnehmungen, als auch die aus den Vorstellungen hervorgegangenen Begriffe der Zustimmung durch die menschliche Vernunft bedürfen. Erst dann und nur dann können sie als „erfasst“ gelten. Diese Zustimmung wird als sittlicher Akt betrachtet: Die Zustimmung des Wissenden ist sittlich richtig, weil sie verantwortet werden muss. 2. Kognitionswissenschaftlicher Ansatz Der Wissensbegriff in der kognitiven Psychologie Nach der Rückschau auf ausgewählte philosophische Konzepte des Wissenserwerbes und der Wissensrepräsentation, werden die folgenden Ansätze aus dem Bereich der jüngeren Kognitionsforschung eine überraschende Vertrautheit hervorrufen. Der Prozess der Wissensschaffung soll ebenfalls von der Wahrnehmung bis zur Wissensverarbeitung nachgezeichnet werden und weitere Hinweise für eine Definition des Wissensbegriffes geben. Wahrnehmung „Die visuelle Wahrnehmung kann in eine frühe Phase, in der Formen und Objekte aus der visuellen Szenerie extrahiert werden, und in eine späte Phase, in der Formen und Objekte erkannt werden unterteilt werden“. Am Beginn des Verarbeitungsprozesses steht der von außen einwirkende Reiz. Im Falle der visuellen Wahrnehmung handelt es sich hierbei um Lichtenergie, die durch einen photochemischen Prozess in neuronale Aktivität umgewandelt wird. In einem weiteren Schritt werden mit Hilfe der Gestaltgesetze die wahrgenommenen visuellen Szenen in Objekte gegliedert. Um diese Objekte identifizieren zu können, wird ein Schablonenabgleich (template matching) durchgeführt, bei dem die exakte Übereinstimmung zwischen einem gespeicherten Muster und dem Stimulus bestimmt wird. Der Kognitionswissenschaftler John R. Anderson setzte sich im Rahmen seiner Forschungen ausführlich mit dem Thema der Wissensrepräsentation auseinander und untersuchte unter anderem die Frage, ob die weitere Informationsverarbeitung in einem kognitiven System, von der Art der Repräsentation dieser Information abhängt. Um der Antwort auf diese Frage näher zu kommen, unterscheidet Anderson zwei Arten der Wissensrepräsentation. Einerseits die wahrnehmungsbasierte Wissensrepräsentation, die noch eine große Nähe zur ursprünglichen Wahrnehmungserfahrung aufweist, und andererseits die bedeutungsbezogene Wissensrepräsentation, die bereits von den perzeptuellen Details abstrahiert und somit nur mehr den Bedeutungsgehalt der Erfahrung enkodieren. Prozedurales Wissen und Problemlösen. Die bisher beschriebenen Prozesse befassten sich damit, wie Wissen über die Welt in das menschliche Verarbeitungssystem gelangt und wie dieses Wissen repräsentiert wird. Selbstverständlich wird dieses Wissen auch im menschlichen Gehirn gespeichert, eine genauere Behandlung der verschiedenen Gedächtnismodelle und die Vorgänge die bei der Speicherung von Wissensinhalten stattfinden können nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein. Wichtig ist jedoch die Unterscheidung von „deklarativem Wissen“, also Wissen über Fakten und Dinge. und dem „prozeduralem Wissen“, dem Wissen über die Art und Weise wie man verschiedene kognitive Aktivitäten und Operationen ausführt. „Der Ursprung prozeduralen Wissens liegt in den Prozessen des Problemlösens.“ Um ein Problem erfolgreich lösen zu können, wird ein Ziel in Teilziele zerlegt, für die der Problemlösende so genannte Operatoren besitzt. Diese Problemlöseoperatoren erzeugen einen Raum möglicher Zustände, die nun der Problemlösende nach einem Pfad zum Ziel durchsuchen muss. Der Erwerb dieser Problemlöseoperatoren erfolgt einerseits durch Entdecken, andererseits durch Analogiebildung zur Lösung eines bereits bekannten Problems oder aber auch durch direkte Instruktion von außen. Im Falle der Analogiebildung muss vom Problemlösenden zunächst festgestellt werden, dass eine frühere Problemlösung relevant ist. Daraufhin müssen Elemente dieser früheren Lösung so auf das aktuelle Problem übertragen werden, dass nun ein Operator zu dessen Lösung ausgebildet werden kann. 3. Ökonomischer Ansatz Der Wissensbegriff bei Nonaka und Takeuchi Die Kernbegriffe des von Nonaka und Takeuchi entwickelten Modells der Schaffung von Wissen sind „implizites“ und „explizites“ Wissen. Implizites Wissen stellt jenen Teil des Wissens dar, der, im Gegensatz zum expliziten Wissen, nicht vollständig verbalisiert werden kann. Implizites und explizites Wissen Der Begriff umfasst sowohl Wissen als auch Können. Implizites Wissen wird durch eine zweigliedrige Struktur gekennzeichnet, die sowohl für kognitive als auch für körperliche Fähigkeiten gilt. Die beiden Strukturmerkmale sind das „zentrale Bewusstsein“ und das „unterstützende Bewusstsein“. Als zentrales Bewusstsein wird das Wissen auf das die Aufmerksamkeit gelenkt wird, bezeichnet, während man unter dem unterstützenden Bewusstsein das Hintergrundwissen, auf das man sich unbewusst verlässt, versteht.35 Beispiele für implizit integriertes Wissen sind Routinehandlungen die von Experten durchgeführt werden. Neues Wissen wird also durch die Transformation von impliziten zu explizitem Wissen generiert. Diese Fähigkeit sollte zu den Kernkompetenzen von Informationsmanagern zählen. Neu am Ansatz von Nonaka und Takeuchi ist jedoch, dass sie diese Kompetenz in Verbindung mit unternehmerischer Kreativität sehen. Das Middle-Top-Down Modell des Wissensmanagements Aufbauend auf dem Prinzip der unternehmerischen Kreativität, die sich in diesem Fall auf die Schaffung neuen Wissens bezieht, entwickeln Nonaka und Takeuchi ein Middle-Top-Down Modell des Wissensmanagements. Die wesentlichen Rollen in diesem Modell spielen die Wissensverwalter (Top: Führungsebene), die Wissensingenieure (Middle: mittleres Management) und die Wissenspraktiker (Down: Angestellte im Verkauf, Facharbeiter etc). ... link (0 comments) ... comment |
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