Webkommunikation Aufgabe: Eco's Aussagen aus dem Interview

clemens georg.sunitsch.uni-linz, 14. Juli 2014, 10:41

 

In dem oben eingefügten Video wird Umberto Eco von Bischofberger über sein Buch „Die unendliche Liste“ interviewt. Der Autor, bekannter Semiotiker, betrachtet dabei das Internet aus philosophischer Sicht.
Im Folgenden werden einzelne Stellen, mit Verbindung zur LVA, aus dem Interview herausgegriffen.

„Was nun ist das Internet? Man könnte meinen es sei eine praktische Liste, denn es enthält alle Webseiten zu einem gewissen Thema. Aber es ist auch potentiell unendlich. Das heißt, wenn jemand jede der Millionen Seiten anklickte, wären die ersten bereits wieder verschwunden und durch andere ersetzt, wenn er am Ende angelangt wäre. Theoretisch kann man also bis in alle Unendlichkeit im Internet surfen. Hinzukommt, dass es gar nicht sicher ist, ob die Webseiten von wirklich existenten Dingen berichten, viele sind falsch enthalten Phantasien oder historische Irrtümer. Das Internet ist ein ziemlich neues Phänomen in der Geschichte der Listen, denn es ist unendlich und somit schwindelerregend.“ (14:40 – 15:37)]

Hier kategorisiert Eco das Internet zu aller erst als Liste. Weiter spricht der Autor von einer quasi Unendlichkeit des Internets.
Damit meint er, dass es einem Menschen, schon alleine anhand seiner Lebenszeit, schier unmöglich ist alle Webseiten zu durchforsten. Diese Aussage wird von folgender Statistik bekräftigt.

Grafik: Anzahl von Webseiten (Quelle: statista.de)

 

Es lässt sich daraus der kontinuierliche Anstieg der Anzahl an Internetseiten ablesen, die 2012 rund 700 Millionen erreichte. Hinzukommen bereits wieder verschwundene Webseiten. In Bezug auf die Webkommunikation erschwert dies die Rolle des Gatewatchers der Journalisten, wie ich sie bereits in einem Beitrag beschrieben habe, die einer unüberschaubaren Menge an Informationen gegenüberstehen.


Eco provziert gewollt mit folgender Aussage zur Semiotik, bezogen auf die heutige Jugend:
"Die heutigen Jugendlichen bedienen sich ständig der Semiotik der Kultur aber vergessen, die grundlegenden Aspekte der Philosophie zu diskutieren." (34:25 - 34:36)
Obwohl diese Aussage sehr verallgemeinert, muss ich Eco hierbei grundsätzlich zustimmen. Mit dieser Thematik haben wir uns innerhalb der LVA bereits genauer unter der Überschrift „Der Code der Jugendlichen“ beschäftigt. Ich bin bei meiner Betrachtung zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen und beschrieb treibende Kräfte dafür, wie die Industrialisierung von Subkulturen und den darin entstandenen Symbolen, wie auch die wirtschaftliche Bedeutung.


"Dabei geht es immer darum, sich kritisch zu äußern. Ich kann ja nicht in den Regierunspalast gehen, Berlusconi packen und hinauswerfen. Das wäre undemokratisch. Ich kann also nichts anderes tun als immer wieder  'Nein' sagen. Manchmal ist es die einzige Aufgabe des Intellektuellen zu sagen, 'Nein' da mache ich nicht mit " (48:40 – 49:04)

Umberto Eco spricht hier die demokratischen Aspekte des Internets an, denen wir uns anhand der Aufgabe zum partizipartiven Journalismus im Web 2.0 annäherten. Das Resümee davon könnte lauten, dass es grundsätzlich jedem Menschen durch das Internet erleichtert wurde sich zu diversen Themen mitzuteilen und (kritische) Informationen zu verbreiten. Beispiele dafür wären Augenzeugenberichte im Arabischen Frühling, oder noch aktueller aus der Ukraine und dem Gazastreifen, die über diverse social Media Plattformen verbreitet wurden. Die Informationen aus diesen textlichen oder videoaudiotiven Botschaften wurden im Weiteren von großen Redaktionen aufgegriffen.
Versuche von Regierungen die Informationsverbreitung, durch Zensur bzw. Sperrung von Diensten, einzudämmen oder gar aufzuhalten haben nur bedingt Erfolg. Hierbei möchte ich auf das Projekt Picidae hinweisen, welches es schafft durch relativ einfache technische Tricks und vielen freiwilligen Helfern, staatliche Zensur zu umgehen. Meiner Meinung auch ein spannendes Thema in Verbindung zur Kommunikation im Web, wie sichergestellt werden kann, dass online gestellte Informationen auch wirklich für alle (von technischer Seite) zugänglich sind.

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