Propaedeutikum Artikel - Der Kampf um die Netzneutralität

christina.pillmair.uni-linz, 3. Jänner 2017, 20:59

Spotify

Quelle: edmchicago.com

 In dem vorliegenden Artikel möchte ich vor allem auf die Erneuerungen im Bereich der Netzneutralität eingehen, die jüngst durch die EU- Verordnung erlassen wurden. 

Des Weiteren möchte ich speziell auf den Fall von Spotify eingehen, da diese eine Kooperation mit der deutschen Telekom eingingen und so dem Prinzip der Netzneutralität umgingen. 

Definition Netzneutralität

Netzneutralität beschreibt den Grundsatz im Internet, dass jedes Datenpaket unabhängig von Inhalt, Ziel und Quelle gleich behandelt wird. In den USA wurde bereits ein zweischichtiges Modell im Umgang mit Datenpaketen angestrebt. Dabei können Internet Provider von den Anbieters einen Beitrag verlangen, sodass deren Datenpakete gegenüber anderen priorisiert behandelt werden. (Q1)

 

Netzneutralität in Europa

Jahrelang war die Netzneutralität in Europa nicht gesetzlich geregelt und so konnte jeder Provider frei darüber entscheiden, wie er seine Datenpakete verteilt und ob er sie priorisiert. Netzneutraltät ist ein entscheidender Faktor für den Erhalt eines fairen Wettbewerbs zwischen Online Diensten, Innovation und Wirtschaftswachstum und freie Meinungsäußerung. 

Im Oktober 2015 wurde eine Verordnung der europäischen Regulierungsbehörde BEREC (Body of Euroean Regulatorsfor Electronic Communications) auf den Weg gebracht, welche die Roaming Gebühren abschaffen sollte, jedoch befürchteten die Kritiker, dass diese Entscheidung das Zwei- Klassen - Internet unterstützen würde. (Q2)

Im Frühjahr des Jahres 2016 wurden erneut Leitlinien zur Netzneutralität erlassen, die für mehr Klarheit sorgen sollten als noch die Verordnung aus dem Jahr 2015. Dabei wurden alle grundlegendes Netzneutralitätsprinzipien abgedeckt. Beispielsweise soll das Blockieren von willkürlichen Websites nicht mehr möglich sein. Jedoch wurden drei große Bereiche in der Netzneutralität noch weitgehend offen gelassen: 

Zero- Rating

Zero Rating beschreibt eine gängige Praxis bei Online Streaming Diensten, dessen Nutzung des Internets von dem monatlichen Datenvolumen ausgeklammert wird. Ein berühmter Vertreter dieser Praxis war Spotify. Der Provider hebt von Spotify Extra Kosten ein, und die Nutzer von Spotify können gegen eine monatliche Gebühr so viel streamen, ohne dass dieses Datenvolumen auf deren Tarif gegengerechnet wird. Diese gängige Praxis widerspricht laut Kritikern gegen die freie Nutzungs des Internets. Die Niederlande und Indien als einzige beiden Ländern haben Zero Rating gänlich verboten. 

Laut der EU- Verordnung sollen Fälle von Zero- Rating einzeln geprüft werden und im Bedarfsfall verboten werden. Diese Verordnung lässt viel Spielraum für Interpretationen. Den nationalen Regulierern obliegt die Entscheidung ob es verboten oder erlaubt wird. 

Kleine Internetanbieter wie Startups haben auf diesem Markt kaum Chancen gegen die großen Online Dienst anbieter anzukämpfen, da sie nicht die notwendige Marktstellung haben, was wiederum zu einer Diskrimierung und gegen das Prinzip der Netzneutralität spricht. 

 

Verkehrsmanagement

Auch im Bereich des Verkehrsmanagement wurden Schwachstellen sichtbar. Das Verkehrsmanagement regelt die Art und Weise wie Netzanbieter ihr Netzwerke betreiben. Entweder dies geschieht neutral und anwendungsunabhängig oder jedoch in Form von Diskriminierung wie zB. das Drosseln von Video Streams oder Voice Chats. Eine Diskriminierung könnte durch eine anwendungsunabhängiges Verkehrsmanagement verhindert werden. 

Jedoch ist es durch den neuen Leitlinienentwurf für Netzbetreiber möglich, ein System zu errichten, indem Anwendungen in unterschiedliche Qualitätsklassen unterteilt sind, unabhängig wie sehr das System ausgelastet ist. Dies könnte sich enorm auf den Wettbewerb auswirken, auf Startups die weniger Chancen bekommen als die großen Player im Wettbewerb und es schafft enorme Intransparenz und Unsicherheiten in Bezug auf die verschiedenen Anwendungen. 

Auf der anderen Seite wird durch die neue Leitlinie die Optimierung des Netzwerks angestrebt, weil man kurzzeitig Entlastungen für ein strukturelles Problem gewährleisten kann. 

Spezialdienste

Spezialdienste sind Dienste im Internet, die eine gesonderte Behandlung fordern und wird somit bevorzugt behandelt. Spezialdienste sollen laut der Leitlinie nicht zum Nachteil von herkömmlichen Internet Diensten angeboten werden und nur dann, wenn ein Netzbetreiber ausreichend Kapazitäten zur Verfügung hat. 

Spezialdienste verringern die Bandbreite eines Nutzers so weit, bis sich die Qualität der Datenübertragung gerade nicht verschlechtert. Wenn der Dienst gebucht wird, ist garantiert, dass die Qualität gegeben ist, wenn man den Zusatzdienst jedoch nicht bezahlt ist die Qualität nicht garantiert. (Q3) 

Deutsche Telekom wendet Netzneutralität an

Bislang wurde von der deutschen Telekom ein Tarif angeboten, indem Nutzer die Möglichkeit haben durch eine Gebühr von 10€ pro Monat, unlimiert den Online Streaming Dienst Spotify in Anspruch zu nehmen, ohne dass dies zum Datenvolumen zählt. Jedoch handelt es sich bei dem Service nur um die Musik selbst, Album Covers und andere Bilder zählen nicht dazu und werden normal über das Tarifdatenvolumen abgerechnet. Die Telekom ging einen Schritt auf die Kunden zu und erweiterte kostenlos das Datenvolumen um weitere 100MB. 

Die Kooperation zwischen Spotify und der deutschen Telekom löste weitreichende Diskussionen zum Thema Netzneutralität aus und Kritiker argumentieren, dass die Vorgehensweise dieser Konzerne gegen die Netzneutralität sprechen würde. Die zusätzlichen Datenvolumen die dem Kunden zur Verfügung gestellt werden, werden von Spotify übernommen. Durch diese Kooperation konnte die Expansion von Spotify nach Deutschland beschleunigt werden und so konnte auch die Marktposition enorm gestärkt werden. (Q4)

Durch die neue EU Verordnung fühlte sich die deutsche Telekom dazu verpflichtet, Vorreiter in Sachen Netzneuralität zu werden und stellte das Angebot etwas um. Der Musikstreaming Dienst wird zwar weiterhin nicht zum Inklusivvolumen dazugezählt, sollte jedoch der Nutzer durch andere Dienste auf die Grenze des Datenvolumens stoßen, so wird auch für Spotify die Bandbreite auf 64 Kilobit pro Sekunde gekürzt. (Q5)

Allgemeine Kritik

In den digitalen Medien wurde laut, dass es nationale Unterschiede in der Auslegung der Verodnungen geben wird, da nationale Regulierungsbehörden einschreiten müssen. BEREC hat angekündigt, dass sie alle einzelnen nationalen Regulierungsbehörden prüfen will und betont, dass es sich bei den Verordnungen um einen Start handelt und nicht um eine entgültige Fassung. (Q6)

Fazit

Ich bin der Meinung das mit diesen Verordnungen der Grundstein für weitere Verordnungen gelegt wurde und es den Anschein erweckt, als würde sich eine Behörde Gedanken um die Neutralität des Netzes machen. Zumindest wurde die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema Netzneutralität gelenkt. 

Jedoch bedarf es noch enorme Verbesserungen in der Umsetzung der Verordnungen, denn in dieser Form würde es enormen bürokratischen Aufwand in jedem Lang verursachen und somit würde auch enorm viel Zeit und Geld in dieses Thema fließen, welches anderweitig möglicherweise besser gebraucht werden könnte. 

Quellenverzeichnis

(Q1) http://www.searchnetworking.de/definition/Netzneutralitaet

(Q2) http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/eu-regelt-netzneutralitaet-das-bedeutet-die-regelung-fuer-die-nutzer-a-1109868.html

(Q3) https://netzpolitik.org/2016/eu-leitlinien-zur-netzneutralitaet-the-good-the-bad-and-the-ugly/

(Q4) http://www.golem.de/news/datenpaket-spotify-kunden-erhalten-von-der-telekom-zusaetzliches-datenvolumen-1502-112105.html

(Q5) http://www.zeit.de/digital/internet/2016-03/netzneutralitaet-telekom-spotify-aenderungen

(Q6) https://futurezone.at/netzpolitik/netzneutralitaet-in-europa-so-gut-abgesichert-wie-nie/218.551.902

 

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