Jugendkulturen und ihre Zeichen/Codes

mario.antunovic.uni-linz, 4. Juni 2014, 21:07

Jugendkulturen

 

Momentan gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Jugend- und Subkulturen. Es reicht eine Fahrt mit der Bim oder auch nur ein Blick auf die Schulhöfe um die Vielfalt rein optisch zu erkennen. Es gibt Skater, Hip Hopper, Metaller, Goths, Skinheads - um nur einen Bruchteil der Gesamtheit aller Subkulturen zu nennen.

Die Mitglieder dieser Subkulturen unterscheiden sich in vielerlei Hinsichten - beispielsweise Interessen, Hobbys, Kleidungsstil, Sprache und Auftreten. Klaus Farin, Gründer des "Archivs der Jugendkulturen" definiert diese folgendermaßen: "Jugendkulturen sind freiwillige Gemeinschaften. Man ist nicht gezwungen. Es gibt keine Mitgliedsbücher, sondern man entscheidet informell: 'Ich gehöre dazu - also gehöre ich dazu', aber überwiegend um Freizeit zu gestalten mit Gleichgesinnten, Gleichgestylten und Gleichaltrigen. In diesen jugendkulturellen Netzwerken kommt oft alles zusammen, was Jugendliche fasziniert: Musik, Mode, Körperkult und selbstbestimmtes Engagement"[1]

Obwohl sie sich alle von einander unterscheiden (wollen), haben sie doch eines gemeinsam, nämlich eben diesen Drang sich von einander und von den Erwachsenen unterscheiden zu wollen. (Hierbei möchte ich auf den Blogbeitrag meines Kollegen Alexander Forstner verweisen, der die Thematik des "von den Erwachsenen Abgrenzen" sehr gut zusammengefasst hat.)

Dieses Differenzieren gegenüber anderen erfolgt, wie bereits erfahren, in Form von Codes und Zeichen. Nachdem die meisten meiner KollegInnen sich mit der Sprache auseinander gesetzt haben, möchte ich mich auch auf andere Aspekte konzentrieren. Denn wie bereits im Laufe dieses Kurses erfahren, kann nicht nur durch Worte gesprochen werden, sondern auch durch andere Arten und Weisen. [2]

Grundsätzlich muss verstanden werden, dass eine Differenzierung gegenüber anderen nur möglich ist, wenn diese auch öffentlich gezeigt und gelebt wird. Sprich, es ist kaum möglich der Welt zu zeigen, dass man sich von anderen unterscheidet, wenn man von "den anderen" abgeschieden lebt. Dies bringt einen leichten "exhibitionistischen Touch" in die Welt der Jugendkulturen, da die meisten Jugendlichen konkret zeigen wollen, wie sie sich von anderen unterscheiden. [3]

Neben den bereits von meinen Kollegen untersuchten sprachlichen Zeichen zur Unterscheidung, gibt es noch musikalische, bildliche und mimetische Zeichen. Die Gesamtheit dessen wird als Code verstanden. [3]

Um dies zu verstehen, sei hier ein Beispiel angeführt, nämlich die Hip-Hop Subkultur: Sprachlich unterscheiden sich deren Mitglieder von anderen durch den Gebrauch verschiedener englischer und fachspezifischer Wörter, wie beispielsweise "Yo" oder "Homie". Bildliche Zeichen werden in Form von Graffitis gesetzt, wobei diese auch Teil von vielen anderen Subkulturen sind. Das musikalische Unterscheidungsmerkmal ist klar und deutlich der Sprachgesang, sprich Hip Hop und Rap. Als mimetisches Zeichen ist für diese Szene der spezielle Tanzstil anzuführen, also der Breakdance.

An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass sich viele Kulturen überschneiden und somit kulturelle Codes nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Ein gutes Beispiel sind hierbei die erwähnten Graffities, welche nicht nur von Hip Hoppern verbreitet werden, sondern beispielsweise auch von Ultras.

Apropos Ultras: Als Ultra-Bewegung wird "eine besondere Organisationsform für fanatische Anhänger einer Fußballmannschaft" bezeichnet. [4] Oftmals werden Ultras mit Gewalttaten in und um Stadien in Verbindung gebracht und in den Medien öffentlich an den Pranger gestellt. Das Problem hierbei ist das Verschwimmen von Kultur-Grenzen, denn nicht jeder Fußballfan gehört der Ultra-Szene an. Auf den Tribünen tummeln sich neben Ultras nämlich viele weitere Arten von Subkulturen, wie beispielsweise Hooligans, Kutten-Fans, Punker und Skinheads.

Die Unterscheidung findet in diesen Fällen oft nicht nur in Form von sichtlichen Codes statt, sondern auch in Form von Idealen. Hooligans suchen meist gezielt Auseinandersetzungen und kümmern sich nur wenig um den Fußball bzw. die Mannschaft selbst. Ultras hingegen haben bezogen auf die Mannschaft, den Sport und die Gruppe selber gänzlich andere Ideale und Ziele. Das Wohl des Vereins steht somit meistens im Vordergrund, wodurch enormer Wert drauf gelegt wird diesen tatkräftig zu unterstützen und nicht Auseinandersetzungen mit anderen zu suchen. Diesen Standpunkt versuchen Ultras seit Jahren klar und deutlich zu machen, werden jedoch nur schwer verstanden. [5] Der Grund hierbei könnte dieser sein, dass nicht alle Codes nach außen kommunizierbar sind wie es die oben angeführten sind.

 

Zusammefassend kann gesagt werden, dass jugendkulturelle Zeichen und Codes weit mehr als nur sprachlicher Natur sein können. Die Differenzierung gegenüber anderen Subkulturen und Erwachsenen erfolgt auf verschiedenen Ebenen, welche grundsätzlich leicht zu erkennen sind. Aufgrund von Überschneidungen und für Aussenstehende schwer definierbaren Grenzen kann es jedoch auch zu Missverständnissen kommen, wie beispielsweise bei den Ultras.

 

 

[1] Die wichtigsten Jugendkulturen,  t-online.de.

[2] Semiotik, Hans Mittendorfer

[3] Jugendkultur Guide, Großegger/Heinzlmaier

[4] Ultra-Bewegung, wikipedia.org

[5] Szeneprofil Ultras, jugendszenen.com

Bildnachweis:

Tribes of the Sydney - Sydney Morning Herald

3 comments :: Kommentieren

Sehr interessant

rainer.kroisamer.uni-linz, 5. Juni 2014, 09:39

finde ich an deinem Beitrag dass du Ultra-Bewegungen aus dem Fussball ins Spiel gebracht hast. Hierbei kann man ganz gut die Zugehörigkeit zu Gruppen durch das Tragen bestimmter Kleidung, Sprache und Verhaltensformen erkennen. Ultra-Bewegungen gehen jedoch meist über das Jugendlichenalter hinaus.

Interessant (und vielleicht auch notwendig) wäre möglicherweise in einem künftigen Beitrag verschiedene Ultra-Bewegungen zu analysieren und diese auch klar von anderen Gruppierungen wie Hooligans und Skinheads abzugrenzen. Denn wie du richtig gesagt hast, wird in der Öffentlichkeit häufig nicht differenziert und verschiedene Gruppierungen zusammen in einen Topf der "Ultras" geworfen. 

Weiteres interessant wäre eine Analyse verschiedener Fussballvereine und deren Ultra-Bewegungen da es hier mAn doch sehr große Unterschiede gibt. Konkret die Ultra-Bewegung von Juventus hat in der Vergangenheit durch Gewaltbereitschaft auf sich aufmerksam gemacht. Handelt es sich hierbei um vereinzelte Hooligans oder sind Ultras bestimmter Vereine auch gewaltbereiter als andere?

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verbalsprachliche Ausdrucksweise

hannes werner.steininger.uni-linz, 5. Juni 2014, 15:54

hallo mario!

Ich kann deinen Ausführungen nur zu stimmen, da auch ich und andere Kurskollegen die Abgrenzung von den Erwachsenen als Hauptgrund für die Entwicklung eines eigenen Codes unter den Jugendlichen sehen.

Da ich selber Fußballfan bin, finde ich den Absatz zum Thema "Ultra-Bewegung" sehr interessant, da ich selber schon oft im Stadium beobachtet habe, dass die einzelnen Fanclubs untereinander mit Zeichen oder mit Schlagwörtern kommunizieren, ohne von den Außenstehenden verstanden zu werden. Oft dient dieser Code auch dazu, treffen bzw. körperliche Auseinandersetzungen mit feindlichen Fangruppen im Internet auszumachen, ohne das die Polizei solche Treffen vorab verhindern kann. Der Großteil dieser radikalen Fangruppen Mitglieder sind Jugendliche, daher verlagert sich die interne Kommunikation immer mehr ins Web, es werden dabei geschlossene Foren, Spitznamen und anonyme Mailadressen verwendet.  

Diese radikale Fußball Fanszene ist vor allem in England und Holland sehr stark.

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Ultras

marlene.siegl.uni-linz, 11. Juli 2014, 11:24

Hallo Mario, ich finde deinen Beitrag äußerst interessant, vor allem die Vergleiche zur Hip Hop Szene und den Ultras. Denkst du, dass sich die Ultras von anderen abheben wollen oder doch nur die "Liebe" zu ihrem Club ausschlaggebend für ihr Anderssein ist?

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