Propaedeutikum Statement: Netzneutralität - Alle gleich im World Wide Web!?

elsa.wiesinger.uni-linz, 25. Oktober 2016, 15:05

Der Begriff "Netzneutralität" beschreibt den gleichberechtigten Datenverkehr von Texten, E-Mails, Musikdateien, Videos, usw. durch das Netz der Internetprovider geleitet. Sämtliche Datenpakete, welche im Netz umgehen, sollen allesamt gleich behandelt werden. Auch wenn es zu einer Überlast der Datenströme kommen sollte und sich dadurch Verzögerungen ergeben sollten. Die Devise dabei lautet: Alle Daten sind gleich.[1]

 

Netzwerk-Management und Access Tiering

Jedoch scheint es so, als ob die Netzneutralität, durch den stetig ansteigenden Internetkonsum, nicht mehr einhaltbar wird. Damit die Überlastung eines Netzwerks ausgeschlossen werden kann, haben sich verschiedene Techniken des Netzwerk-Managements durchgesetzt.
Mithilfe technischer Möglichkeiten haben Internetprovider die Chance die Verteilung der Netzkapazitäten ihrer Kunden zu optimieren. Die Steuerung ist möglich durch die Einführung von Preis- und Qualitätsdifferenzierungen, sodass jeder ein Datenpaket auswählt, welches seinen Ansprüchen gerecht wird. [2]

Wenn Kunden gewillt sind dem Internetprovider mehr zu zahlen, werden sie durch einen schnelleren Datenverkehr bevorzugt. Durch das stark ansteigende Datenaufkommen und der Angst vor einer Überlastung hat die Deutsche Telekom beschlossen eine Obergrenze beim zu nutzenden Datenvolumen einzuführen. Sogenannte Flatrate-Kunden können nicht mehr unbegrenzt Daten aus dem Internet beziehen, sondern werden ab einer gewissen Datenvolumen-Grenze eingeschränkt. Durch die stark gedrosselte Surfgeschwindigkeit wird der Einstieg ins World Wide Web zu einer Geduldsprüfung. [3]


Eine weitere Möglichkeit um den Datenfluss zu optimieren ist das Blockieren von Datenpaketen. Sie werden verlangsamt und somit diskriminiert, ganz gegen dem Sinn der Netzneutralität. Das zu bremsende Paket wird vom Router im Netzwerk erkannt und wird daraufhin langsamer übermittelt. Das Verfahren, welches es ermöglicht die Datenpakete zu identifizieren heißt "Deep Packet Inspection". Bei diesem Verfahren wird der Header sowie der Inhalt des Paktes ausgelesen um zu bremsende Pakete zu erkennen. [4]
Regulierungen?

 

Gesetze zur Netzneutralität

Bereits im Jahre 2015 wurden Gesetze zur Netzneutralität innerhalb der EU beschlossen, jedoch waren sie so schwammig definiert, dass sich Schlupflöcher und Missverständnisse zu den Gesetzen finden ließen. Deshalb konnte sich das Netzwerk-Management, das Access Tiering, aber auch noch weitere Formen entwickeln, welche die Netzneutralität umgehen.
BEREC, die Regulierungsstelle für elektronische Kommunikation in der EU (Body of European Regulators for Electronic Communications), hat aus diesem Grund seit 30. August 2016 neue Regeln für die Einhaltung der Netzneutralität beschlossen. [5]

 

Eines ist auf jeden Fall klar, Unternehmer welche mit mobilen Daten, in welcher Form auch immer arbeiten, haben in den letzten Jahren bereits einige Schlupflöcher entdeckt und zu ihren Gunsten ausgenutzt.
Es ist nun Aufgabe der europäischen Regulierungsstelle für elektronische Kommunikation, die Maßnahmen um die Netzneutralität aufrecht zu erhalten, durchzusetzen.

 

 

[1] Vgl. Kruse, Jörn: Ökonomische Grundlagen des Wettbewerbs im Internet, in: Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie, Ordnungspolitische Perspektiven, Nr. 14, 2011, S. 178 ff.

[2] Vgl. Knieps, Günter: Congestion Pricing, Quality of Service Differntiation and Net Neutrality, in: Spiecker, Indra / Krämer, Jan (Hrsg.): Network Neutrality and Open Access, S.19-25, 2013, S. 19.

[3] Vgl. Werth, Kerstin: "Netzneutralität: Nicht nur die Telekom drosselt das Tempo", Genios BranchenWissen, Nr. 06, 2013.

[4] Vgl. Null, Eric: Regulating Network Neutrality, in: Cardozo Arts & Entertainment, Vol. 29, S. 459-493, S. 461, 2011.

[5] Vgl. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/eu-leitlinie-zur-netzneutralitaet-deshalb-ist-die-verordnung-so-wichtig-a-1109899.html, zuletzt zugegriffen am 25.10.2016.

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